Coronakrise
Gespenstische Ruhe in der Altstadt

Ochsen-Wirt Heinz Jäger hat solche Umsatzeinbrüche noch nie erlebt.
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  • Foto: Axel Sturm
  • hochgeladen von Corinna Schwach

Es ist Samstagmorgen 11 Uhr. Auch in den Zeiten vor der Corona-Krise war in Ladenburg an einem typischen Samstagmorgen kein überaus reges Treiben zu beobachten. Die Geschäfte in der Altstadt werden mal mehr - mal weniger – gut besucht. Nach der Umsetzung des Maßnahmenkataloges wegen der Corona-Pandemie zog nun auch in Ladenburg eine gespenstische Ruhe in der Altstadt ein. Wenige Menschen begeben sich auf die Straße und in den Geschäften und Gaststätten sind kaum Menschen zu sehen. Die BdS-Sprecherin der hiesigen Einzelhändler Renate Henseler-Sohn macht sich Sorgen. Die Inhaberin des Modegeschäftes Sohn hat selbst erleben müssen, dass sich das Kaufverhalten in den letzten Tagen deutlich verändert hat. 40% weniger Umsatz habe sie zur Kenntnis nehmen müssen, sagte die Sprecherin der Einzelhändler, die von ähnlich dramatischen Umsatzeinbrüchen auch in anderen Geschäften berichtete. Es wird hart werden, prognostiziert die Unternehmerin, die derzeit aber nur von Tag zu Tag denken möchte. Mittelfristige Prognosen will sie keine stellen. Sie will aber gar nicht daran denken, wenn wir in Deutschland italienische Verhältnisse bekommen sollten. Dort seien alle Geschäfte geschlossen – nur Lebensmittelgeschäfte und Apotheken haben noch geöffnet. Fakt sei in Ladenburg jetzt schon, mit Beginn der Corona-Krise haben die Kundinnen und Kunden die Lust am Einkaufen verloren. „Gut gelaunte Menschen sind konsumfreudiger“, weiß die Geschäftsinhaberin und weil die Stimmung derzeit am Boden ist, verspüren die Menschen keine Lust sich etwas Schönes zu gönnen.
Die Maßnahmen aus dem Rathaus, den Sommertagszug und den angeschlossenen verkaufsoffenen Sonntag abzusagen, unterstützt der BdS ohne Wenn und Aber. „Die Verwaltung hat die einzig richtige Entscheidung getroffen – die Gesundheit steht über allem“, meinte die Sprecherin der Einzelhändler, die von den Mitgliedsbetrieben ein ähnliches Stimmungsbild berichtet bekam.
„Akzente – für ein schönes Zuhause“, ist der Slogan mit dem das Geschenkwarengeschäft Akzente von Elke Jung wirbt. Leider bleiben viel zu viele Kunden zuhause, ist das Fazit, das die Akzente-Inhaberin schon nach wenigen Krisentagen ziehen muss. Natürlich bereitet der Ladeninhaberin die Situation große Sorgen. Auf der einen Seite starke Umsatzrückgänge – auf der anderen Seite bleiben die Ausgaben wie die Unterhaltung des Geschäftes, die Personalkosten und die Pacht stabil. Jung hofft, dass die Durststrecke gemeistert werden kann. Positiv registriert hat sie die Ankündigung der Bundesregierung auch kleinere Betriebe in der Krise unterstützen zu wollen. „Noch sind mir die Aussagen aber nicht konkret genug“, sagte Jung der LAZ.
Die Inhaberin des Wäschegeschäfts Creol Ilona Lurz freute sich bis vor wenigen Wochen über die hervorragenden Umsatzsteigerungen. Sie ist vor zwei Jahren mit ihrem Geschäft von der Mannheimer Innenstadt nach Ladenburg gezogen und hat diesen Schritt nie bereut. Mit dem verkaufsoffenen Sonntag wollte sie auch ihr 25-jähriges Jubiläum feiern. Hierfür hat sie Hunderte von Stammkunden bereits mit einem persönlichen Anschreiben eingeladen. Aus der Feier wird nun nichts werden und auch sonst ist der stets optimistischen „Dessous-Päpstin“, wie Lurz von einem Fernsehsender einmal betitelt wurde, nicht nach feiern zumute. In der letzten Woche sei der Umsatz stark zurückgegangen. Lurz hofft, dass mit Beginn der Bademodensaison das Gröbste überstanden sein wird – sicher ist sich die Ladeninhaberin aber nicht.
Noch keine größeren Sorgen macht sich der Inhaber der Ladenburger Goldschmiede Jörn Molzen. Der Goldschmiedemeister merkt keinen Umsatzrückgang, denn er lebt schließlich nicht ausschließlich von der Laufkundschaft. Aufträge, die er erhält, werden in aller Regel mit den Auftraggebern detailliert besprochen und passgenau angefertigt. „Ich hoffe natürlich, dass mir die Kundschaft weiter die Treue halten wird“, meinte der Schmuckexperte, der der Krise auch etwas Gutes abgewinnen kann. Eine gewisse Entschleunigung tue der Gesellschaft ganz gut, meinte der Ladeninhaber, für den die Situation aber schon beängstigend ist.
Von der Krise nicht allzu viel gemerkt hat auch das Team des Kosmetik-Instituts Schneckenburger-Treffurt. „Die Chefin ist gerade in der Behandlungs-Kabine und auch auf mich wartet die nächste Kundin“, meinte Mitarbeiterin Petra Ihrke. Sie beschrieb die Situation als „ganz normal“ – Absagen gäbe es zum Glück keine und natürlich hofft das ganze Team, dass die Normalität ein Stück weit erhalten werden kann.
Gastronomie bewertet die Situation unterschiedlich
„Liebe Gäste – lasst uns bitte nicht im Stich“, war die klare Ansage vom Chef der Ladenburger Backmulde Rainer Döringer. Er kann derzeit die guten, gerade erschienenen Bewertungen in den jeweiligen Restaurantführern, gar nicht richtig genießen. Zwar will er keine Untergangsstimmung beschreiben, aber die Absagen der großen Unternehmen, die ihre Kunden gerne in das Spitzen-Restaurant einladen, seien schon „krass“. Zum Glück habe der Gastronomiebetrieb viele treue Privatkunden, die auch in Krisenzeiten gerne gepflegt speisen wollen. Daher bestehe derzeit noch ein Stück weit Normalität, bestätigte Döringer, der flexibel reagieren wird wenn es erforderlich sein sollte. Wenn keine Umsätze zu erwarten sind, werde das Restaurant auch mal kurzfristig geschlossen, meinte der Gastronom, dem vor der nahen Zukunft nicht bange ist.
Seinen Ärger konnte der Wirt des „Ochsen“ Heinz Jäger nicht verbergen, als er Besuch von der LAZ bekam. „Gerade haben mir zwei Busunternehmen ihr Kommen abgesagt“, berichtete Jäger, der in den letzten Tagen erhebliche Umsatzrückgänge akzeptieren musste. Private Feiern werden abgesagt, Vereine haben ihre Veranstaltungen aus dem Terminkalender genommen und die meisten Firmenveranstaltungen wurden ebenfalls gestrichen.
Jäger ist jetzt über 40 Jahre in der Gastronomie tätig – aber so eine schlimme Situation hat er noch nie erlebt. Die BSE-Krise war zwar auch mit Umsatzeinbrüchen verbunden, aber die Corona-Krise sei noch mal eine ganz andere Nummer. „Ich habe gerade in bauliche Veränderungen kräftig investiert, denn die vergangenen Jahre waren richtig gut. Jetzt hoffe ich, dass mir die Gäste die Treue halten“, meinte der Ochsen-Wirt, der am Ende des LAZ-Besuchs nach einem Telefonanruf doch wieder lächeln konnte. Er machte einen Beratungstermin für ein großes Geburtstags-essen aus, was wieder ein Lichtblick für Heinz Jäger war. -stu./Fotos: Sturm

Ochsen-Wirt Heinz Jäger hat solche Umsatzeinbrüche noch nie erlebt.
Die Corona-Krise ist gegenwärtig: Am Samstagsmorgen waren keine Menschen in der Altstadt zu sehen .
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Die Redaktion aus Ladenburg

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