Bau der Dreifeldsporthalle und die Pflichtaufgaben sind nicht in Gefahr – Freiwillige Leistungen werden auf den Prüfstand kommen
Die ABB-Standortschließung wird spürbare negative Folgen haben

Noch vor zehn Jahren waren am ABB-Standort Ladenburg sieben Bereiche angesiedelt. 2022 verlässt auch das Forschungszentrum Ladenburg. Das Gelände soll dann zeitnah verkauft werden.
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Die letzte schlechte Nachricht mit einschneidenden Wirkungen vom Industriestandort Ladenburg ist gerade mal vier Jahre her. Nach dem Wegzug des Reinigungsmittel-herstellers Reckitt-Benckiser nach Polen verloren im Jahr 2016 rund 450 Mitarbeiter am Standort ihren Job und auch der Gewerbesteuerverlust tat Ladenburg sehr weh.

Nun gibt es erneut eine Hiobsbotschaft für den Standort Ladenburg, denn der Schweizer Technologiekonzern ABB verringert die Zahl seiner Standorte und schließt seinen Standort in der Römerstadt. Hier war zuletzt das Entwicklungszentrum für die Bereiche Digitalisierung, Automatisierung und Robotertechnik beheimatet. Die 500 Beschäftigten sollen zum Großteil an ABB-Standorte Mannheim und rund 100 Mitarbeiter nach Heidelberg umziehen. „Die Entscheidung für den neuen Standort ist in erster Linie eine für Mannheim und keine gegen Ladenburg“, teilte der ABB-Vorstandsvorsitzende Hans-Georg Krabbe mit.

Während die Freude in Mannheim über die ABB-Standortstärkung groß ist, gibt es in Ladenburg lange Gesichter. Bürgermeister Stefan Schmutz sagte der LAZ, dass er die strategische Entscheidung zugunsten Mannheims sehr bedauert. Nach dem Weggang von Reckitt-Benckiser werde nun leider eine weitere Firmentradition beendet und es sei besonders schmerzhaft, weil 500 hochqualifizierte Arbeitsplätze in Ladenburg wegfallen. Der Wegzug werde spürbare negative Langzeitfolgen für den Ladenburger Haushalt haben, sagte Schmutz dieser Zeitung. Welche konkreten Einflüsse der Wegfall der ABB-Gewerbesteuereinnahmen haben wird, kann Schmutz aber noch nicht vorhersagen.

Fakt ist aber, dass Großprojekte wie der Bau der neuen Dreifeldsporthalle oder Investitionen in die Infrastruktur wie der Bau von Kindergärten, was eine Pflichtaufgabe sei, nicht gefährdet sind. „Sollte es uns aber mittelfristig nicht gelingen die fehlenden Steuereinnahmen auszugleichen, gilt es mutmaßlich die freiwilligen Leistungen in das Blickfeld zu nehmen“, kündige Schmutz an, dass es dann ohne Einsparungen so nicht weiter gehen kann.

Viel wichtiger als die Frage nach den möglichen Auswirkungen auf den Haushalt in 2023 sind für den Bürgermeister die konkreten Überlegungen und Entwicklungsperspektiven für das Firmengelände an der Wallstdter Straße. Der Konzern hat bereits angekündigt nach dem Auszug die Flächen in Ladenburg zeitnah verkaufen zu wollen. Schmutz hält es wegen der exponierten Lage und der Größe der Industriefläche für zwingend notwendig, dass die Stadt Ladenburg umfassend eingebunden wird. „Die Nutzung des Geländes muss in besonderer Weise mit der benachbarten städtebaulichen Entwicklung im Einklang stehen“, hofft der Bürgermeister, dass der Konzern die Beteiligungswünsche der Stadt berücksichtigen wird. In der Nachbarschaft von ABB ist erst vor wenigen Tagen bei einem Großbrand die Werkshalle von RTP abgebrannt, die sicherlich abgerissen werden muss. Dahinter entsteht derzeit das neue Wohngebiet „Am Matzgarten“ für rund 500 Neubürger. Hier werden drei Mehrfamilien- und 94 Reihenhäuser gebaut. Sollte sich auf dem ABB-Gelände beispielsweise ein lärmintensives Unternehmen ansiedeln, sind Probleme vorprogrammiert.

Der Industriestandort Ladenburg verliert immer mehr Arbeitsplätze

Das waren noch rosige Zeiten für die Stadt als in den 1960er und 1970er Jahren täglich über 3500 Pendler nach Ladenburg zur Arbeit fuhren. Das BBC-Auslagerungswerk in der Wallstadter Straße war bereits in den 50er Jahren einer der größten Arbeitgeber Ladenburgs. 1988 kauft der ABB-Konzern das Werk um in Ladenburg unter anderem die Sparte Schaltanlagentechnik aufzubauen. Noch vor 10 Jahren waren in Ladenburg sieben Fachbereiche angesiedelt.

Direkt neben dem BBC-Werk arbeiteten bis in die 1990er Jahre rund 300 Beschäftigte bei York-International, die Apparate für Kühltechnik produzierten. Richtig bitter für die Stadt war der Niedergang der Firma Total am Standort. Über 1000 Beschäftigte produzierten ab den 1950er Jahren Feuerlöscher, die in die ganze Welt exportiert wurden. Heute hat Total-Walther noch rund 100 Mitarbeiter am Standort beschäftigt, die Löschmittel und Brandschutzlösungen erarbeiten. Auch in den Werken Grünzweig+Hartmann, wo Dämmplatten hergestellt wurden, sowie Benckiser-Knapsack, wo Chemikalien für die Lebensmittelindustrie produziert wurden, waren am Standort Ladenburg über 1000 Menschen in Arbeit. Das Industriegebiet im Westen der Stadt pulsiert zwar nach wie vor, aber die dort hergestellten Dämmstoffe von G+H Isover und die Produkte der Firmen Jungbunzlauer, Calvatis und ICL werden mit wesentlich weniger Arbeitskräften produziert.

Bereits Anfang des neuen Jahrtausends musste der damalige Gewerkschaftssekretär Herbert Rittlinger die ernüchternde Bilanz ziehen, dass Ladenburg in den nächsten Jahren Hunderte Arbeitsplätze verlieren wird. Leider trafen die Prognosen Rittlingers ein und es ist zu befürchten, dass die Schließung des ABB-Standorts Ladenburg nicht die letzte schlechte Nachricht sein wird.

Noch vor zehn Jahren waren am ABB-Standort Ladenburg sieben Bereiche angesiedelt. 2022 verlässt auch das Forschungszentrum Ladenburg. Das Gelände soll dann zeitnah verkauft werden.
Warnstreiks gehören am ABB-Standort Ladenburg nun der Vergangenheit an.
Autor:

Axel Sturm aus Ladenburg

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