Einige Vereine in Ladenburg haben Probleme – andere könne auf Kontinuität setzen / Gesellschaftlicher Wandel trifft die Vereinsarbeit
Die Suche nach Verantwortungsträgern wird immer schwieriger

Blumen erhielt Gaby Ensink von ihrem Vorgänger Steve Kühny für die Übernahme des Vorsitzes des Partnerschaftsvereins. Jetzt sucht die Vorsitzende selbst eine Nachfolgelösung.
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  • Blumen erhielt Gaby Ensink von ihrem Vorgänger Steve Kühny für die Übernahme des Vorsitzes des Partnerschaftsvereins. Jetzt sucht die Vorsitzende selbst eine Nachfolgelösung.
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Weil die rührige Vorsitzende des Garango-Partnerschaftsvereins Gaby Ensink den Vereinsvorsitz in der nächsten Jahreshauptversammlung leider abgeben muss, sucht der Garango-Verein dringend eine Nachfolgelösung. Einfach wird die Suche nicht werden, obwohl Ensink ihrem Nachfolger/Nachfolgerin ein gut bestelltes Haus übergeben wird. Doch nicht nur der Partnerschaftsverein hat ein Problem zu lösen. Es gibt zwar immer noch viele Menschen, die sich für Ladenburg engagieren – aber am beliebtesten sind die projektbezogenen Aufgaben. Nach der Fertigstellung des Projektes, kann man bei dieser Art des Engagements sich wieder zurückziehen. Eine ganz andere Hausnummer ist zweifelsohne das ehrenamtliche Engagement in den Vereinen. Hier gilt es sich kontinuierlich einzusetzen, was in der heutigen Zeit immer seltener wird. „Ich spreche nicht nur von der Besetzung des 1. Vorsitzenden – es ist heute fast unmöglich einen Vereinskassier zu finden“, sagte Christoph Heckele vom ASV Ladenburg der LAZ. Die bürokratischen Anforderungen werden immer komplizierter, weiß der stellv. Abteilungsleiter der Ringer und daher ist er wenig optimistisch, dass das Vereinsleben in der jetzigen Form so weiterlaufen wird.

In Ladenburg gibt es über 120 Vereine – darin enthalten sind die Fördervereine wie beispielsweise die Freibadförderer, der Bibliotheks-Förderverein oder die Fördervereine der Schulen. Und alle Vereine brauchen eine funktionierende Vorstandschaft. Die Anforderungen des deutschen Vereinsrechts müssen auch deshalb erfüllt werden, damit die Gemeinnützigkeit ausgestellt werden kann. Ein Verein ohne Vorsitzenden steht letztendlich vor der Auflösung – denn es sind nur Übergangszeiten erlaubt, in denen ein Verein kommissarisch geführt werden kann. Neben dem Vorsitzenden braucht ein Verein zwingend einen Schriftführer und einen Kassenwart – Vereinsposten wie Jugendwart, Beisitzer oder sonstige Vorstandsämter müssen nicht zwingend besetzt werden.

In Ladenburg gibt es zahlreiche Vereinsvorsitzende, die eine Nachfolgelösung anstreben. Es ist ein ungeschriebenes Gesetz, dass die aktuelle Führungsperson sich um die Nachfolge kümmern sollte, bevor man abtreten kann. Weil oft kein Nachfolger/in gefunden wird, wollen die aktuellen Führungskräfte „nicht einfach den Bettel hinwerfen“. Dem Verein zuliebe und aus Verantwortungsbewusstsein macht man eben doch noch eine Wahlperiode weiter – was natürlich zu Lasten der Führungsperson geht.
Beispiele gibt es auch in Ladenburg genug. Liesl Voermann, die Vorsitzende der Arbeiterwohlfahrt (AWO) würde liebend gerne kürzer treten. Seit Jahrzehnten führt sie die AWO mit viel Herzblut – aber eine Nachfolgelösung ist leider nicht in Sicht. Die Sängereinheit wäre an der ungelösten Führungsbesetzung fast zerbrochen – bis mit dem über 80-jährigen Günther Grundmann dann doch eine Wahl getroffen wurde. Auch der Vorsitzende der Gewerkschafts-Ortsgruppe Bernd Schuhmacher sucht eine Nachfolgelösung und nicht zuletzt der SPD-Ortsvereinsvorsitzende, Stadtrat und Landtagsabgeordnete Gerhard Kleinböck würde die Führungsverantwortung im Ortsverein gerne abgeben.

Führungsarbeit kann Freude machen

Es gibt in Ladenburg aber auch genügend Lichtblicke. Düster sahen die Prognosen für die Glashaus-Initiative aus, die viele Jahrzehnte von Wolfgang Metzger geführt wurde. Hanna Fuchs-Brecht wurde in der Jahreshauptversammlung geradezu bekniet den Vorsitz zu übernehmen. Diesen Schritt hat die junge Frau übrigens nie bereut. „Ich habe persönlich viel gelernt – mir macht die Führungsarbeit Freude“, sagte die Vorsitzende kürzlich der LAZ.
Ein Zukunftsmodell könnte die Lösung des Ortsvereins der Grünen sein. Weil kein Vorsitzender gefunden wurde, entschlossen sich die Mitglieder es mit einem Führungs-Trio zu versuchen. Maria Möller, Martina Lukas und Jürgen Frank führen nun gemeinsam den Ortsverein – und das mit großem Erfolg.
Auch die Ladenburger CDU schaffte den Generationswechsel. Mit dem Juristen Bastian Schneider, der auch stellv. Bundesvorsitzender der Jungen Union ist, hat der Ortsverein das wohl größte politische Talent der nordbadischen CDU zum Vorsitzenden des Stadtverbandes gewählt.

Auch beim Gesangverein Liederkranz gibt es mit Jörg Boguslawski eine junge Führungskraft und es ist dem Zweimetermann sogar gelungen, fast alle Vorstandsposten mit U50-Mitgliedern zu besetzen. Trotzdem ließ der Vorsitzende eine gewisse Führungsmüdigkeit in der letzten Jahreshauptversammlung verlauten – die Alarmglocken klingelten beim Liederkranz, der für die Zukunft gut gerüstet ist, aber nicht.
Auf Kontinuität können auch die Ladenburger Sportvereinigung (Vorsitzende Petra Klodt), der FV03 (Vorsitzender Thomas Thieme), der ASV Ladenburg (Vorsitzender Joachim Lose) oder der Motorsportclub Dr. Carl Benz (Vorsitzender Klaus Kurz) setzen. Für Vereine ist diese Kontinuität natürlich ein Glücksfall, was auch der Bürgermeister Stefan Schmutz im LAZ-Gespräch unterstrich.

BM Schmutz: Vereine bereichern das Leben dieser Stadt

„Ohne Vereine, ohne ehrenamtliches Engagement ist eine lebendige Stadtgesellschaft nicht möglich“, sagte Schmutz der LAZ. Er findet, dass die Vielfalt des sozialen und kulturellen Lebens in Ladenburg aus der Arbeit der Vereine resultiert. Deswegen unterstützt die Stadt die Vereinsarbeit beispielsweise durch die kostenlose Bereitstellung von Trainingsstätten und Räumlichkeiten. Vereinseigene Großveranstaltungen werden von der Stadt logistisch unterstützt und das Altstadtfest wurde aus der Taufe gehoben, um den Vereinen eine Einnahmequelle zu ermöglichen.
Doch auch der Bürgermeister macht sich Sorgen. „Der gesellschaftliche Wandel geht auch an den Vereinen nicht spurlos vorüber“, meint Schmutz. Die Stadt wolle daher behilflich sein, neue Antworten auf aktuelle Herausforderungen zu finden. Dem Bürgermeister ist bewusst, dass die Suche nach Verantwortungsträgern auch wegen des bürokratischen Aufwands immer schwerer wird. „Ein Ansatz bietet hier die Kooperation zwischen Vereinen und eine Professionalisierung in ausgewählten Feldern“, so Schmutz, der ergänzte, dass die Verwaltung offen sei, Vereine auf diesem Weg zu begleiten und zu fördern.

Autor:

Axel Sturm aus Ladenburg

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