Leserbrief
Kindergarten und Schule: Wann bewegt sich endlich was?

Das sollte eigentlich ein Beschwerdebrief werden. Als Eltern ärgern wir uns wie viele andere auch, dass der Träger unserer Betreuungseinrichtung und die Verwaltung seit Wochen keinen klaren Weg der Kommunikation finden. Warum nun diese eine Hälfte der Kinder einen Betreuungsplatz bekommen hat und die andere nicht, bleibt ein Rätsel. Warum es kein rollierendes Betreuungsystem gibt, damit alle Kinder zumindest zeitweise in den Genuss ihrer Sozialkontakte kommen können, ist ebenfalls unklar. Sämtliche Informationen erhält man nur auf Nachfrage, und kommt doch einmal ein offizieller Brief, dass es nun endlich wieder losgeht, so ist auch dieser kurze Zeit später als Missverständnis enttarnt. Beiträge werden versehentlich abgebucht und dann wieder zurücküberwiesen. Doch um dieses Chaos soll es nun gar nicht im Einzelnen gehen. Wir haben uns stattdessen entschlossen, ein paar Impulse zu geben und deutlich zu machen, dass aus den Erfahrungen dieser Wochen dringend Lehren gezogen werden müssen!

Der Einbruch dieser Pandemie in unser aller Leben war überraschend und natürlich ist niemand angemessen auf so eine Situation vorbereitet. Auch nicht die Verwaltung. Doch selbst die hat immerhin zu Beginn schnell reagiert, als sie die öffentlichen Plätze, Parks und Bänke mit rot-weißem Flatterband geschmückt hat. Dasselbe Tempo und Engagement brauchen wir jetzt aber auch, um die nächste Strecke dieser Krise gemeinsam gehen zu können. Denn wir stecken ja laut offiziellen Aussagen alle weiter darin fest, solange es keinen Impfstoff geben wird.

Daher brauchen wir dringend neue Ideen, wie Betreuung und Bildung wieder auf ein angemessenes Niveau gebracht werden können – möglichst im Konsens mit Trägern, Eltern, Betreuungs- und Lehrkräften. Ja, das ist eine Riesenaufgabe. Sie erfordert Mehrarbeit, Überstunden und Kreativität von den Verantwortlichen. Sie ist unbequem und niemand weiß, was wirklich funktioniert. Doch allein auf Besserung der Weltlage zu hoffen, ist keine Strategie. Es waren jetzt viele Wochen Zeit, gedanklich die eigene Komfortzone zu verlassen. Nehmen wir das Beispiel Sicherheitsabstand. In Kindergärten und Schulen naturgemäß schwierig einzuhalten. Aber wir haben doch auch Ausweichflächen: Große Turnhallen und das Sportzentrum werden seit Wochen nicht genutzt, es gibt Parks, Baumschulen, große Höfe. Warum nicht den Unterricht oder einige Stunden Kinderbetreuung an diese Orte verlegen?

Fehlen Lehrer und Betreuungskräfte, so fände sich vielleicht auch hier eine Lösung: Einbeziehen von jungen Lehramtsstudierenden, Referendaren oder Lehrern von weiterführenden Schulen, deren Fächer derzeit grundsätzlich nicht unterrichtet werden können. Diejenigen Lehrenden, die als Risikogruppe aktuell keinen Präsenzunterricht halten können, könnten für diese Kollegen den Unterricht vor- und nachbereiten oder Arbeitsblätter erstellen und die Ergebnisse der Schülerschaft korrigieren. Kindergärten: Die Auslastung ist derzeit sehr unterschiedlich. Warum nicht alle Plätze zusammenfassen und unter allen Ladenburgern rollierend vergeben?

Das mag alles ungewöhnlich klingen und es sind jetzt auch nur so dahingeworfene Ideen, vielleicht sind viele davon auch schon in Arbeit und wir selbst sind auch nicht vom Fach. Aber in Krisen ist es zentral, die eingetretenen Pfade zu verlassen, um so wirklich gestärkt daraus hervorzugehen.

Nehmen wir die brachliegende Digitalisierung von Schule und Verwaltung: Seit Wochen stehen hier vor allem Datenschutzbedenken an erster Stelle, es geht nichts voran. Doch es gibt in Ladenburg bestimmt Menschen, die sich genau mit solchen Themen auskennen und bereit sein werden, schnell und unbürokratisch rechtssichere Lösungen zu finden. Natürlich erfordert das von jedem Einzelnen, sich auch mit der Technik auseinanderzusetzen. Im Internet gibt es massenhaft Kurzvideos und Anleitungen, die die Handlungsweise jeder Software einfach erklären.

Eigenverantwortung ist jetzt gefragt. In den Nachbargemeinden gibt es durchaus Beispiele, wie so etwas gelingen kann. Seien Sie in der Verwaltung stolz darauf, dass Sie die ersten Wochen so gut gemeistert haben und nun einmal kreativ nach Lösungen suchen können, vielleicht war der Gestaltungsspielraum ja nie so groß wie jetzt. Freuen Sie sich als Lehrende doch einmal darauf, selbst Videos mit Unterrichtsstoff zu drehen oder ganz andere neue Wege zu finden. Denken Sie als Betreuende verstärkt über Konzepte unter freiem Himmel nach oder machen Sie doch mal eine Besuchsrunde bei Ihren Schützlingen. Das macht sicher Spaß. Es kommt jetzt auf Sie an, und vielleicht erinnern Sie sich dabei auch daran, weshalb Sie sich vor langer Zeit einmal für Ihren Beruf entschieden haben.

Kinder brauchen Kinder, Kinder brauchen eine Struktur, Sie brauchen ihre Betreuenden und Lehrenden als Bezugspersonen. Das sind wir Erwachsenen ihnen schuldig. Wir sind sicher, die Elternschaft in Ladenburg wird jeden Weg mittragen und der Wille ist da, diese Krise als Chance zu nutzen und dabei auch Fehler zu verzeihen. Ein „Weiter so“ ist im Angesicht des nahenden neuen Kindergarten- und Schuljahres keine Option mehr. Die Uhr tickt.
Sebastian und Carolin Callies,
Jonas und Julia Seidel,
Hafid und Elvira Azzaoui

Kindergarten und Schule: Wann bewegt sich endlich was?

Was Sie be­ach­ten müs­sen
Die Re­dak­ti­on be­hält sich vor, die Le­ser­brie­fe zu kür­zen, be­lei­di­gen­de In­hal­te zu strei­chen oder erst gar nicht zu ver­öf­fent­li­chen. Brie­fe in ei­ge­ner Sa­che kön­nen nicht be­rück­sich­tigt wer­den.
Zu­schrif­ten per Post, Fax als auch per E-Mail müs­sen mit der Ad­res­se und der Te­le­fon­num­mer für Rück­fra­gen ver­se­hen sein.
Die Le­ser­brie­fe spie­geln nicht un­be­dingt die Mei­nung der Re­dak­ti­on wi­der.
Die Re­dak­ti­on

Autor:

Die Redaktion aus Ladenburg

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