Ladenburg lag ihm am Herzen
- Hermann Gärtner ist aus dem Leben geschieden
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Altstadtrat Hermann Gärtner verstarb am Dienstag im Alter von 85 Jahren / Er war ein aufrechter Sozialdemokrat, der sich in Ladenburg vielfältig engagierte
Einer der bekanntesten Bürger Ladenburgs ist tot. Altstadtrat Hermann Gärtner (SPD), der die Entwicklung der Stadt über 25 Jahre mitgeprägt hat, ist am Dienstagmorgen im Alter von 85 Jahren aus dem Leben geschieden. Noch vor wenigen Wochen saß der aufrechte Sozialdemokrat auf dem Podium einer Zeitzeugen-Veranstaltung im Domhof, um über die Geschehnisse in den Nachkriegsjahren in Ladenburg zu sprechen. Im Domhof und im Sitzungssaal des Rathauses verbrachte Gärtner auch in seinen Gemeinderatsjahren viel Zeit. Hier trug er mit seiner Ratsstimme dazu bei, dass es in Ladenburg keinen Stillstand gab. Er war ein streitbarer Genosse. Eine „Fähnchen-im-Wind-Mentalität“ mochte er nicht. Er vertrat seine Meinung und Standpunkte auch gegen Mehrheiten, wenn er von einer Sache überzeugt war. „Gegenwind“ nahm Gärtner in Kauf – eine Eigenschaft, die in der Politik immer seltener ist. Die Weiterentwicklung seiner Heimatstadt, Hermann Gärtner wurde 1940 in Ladenburg geboren, war ihm eine Herzenssache. Als Mitglied des Technischen Ausschusses war ihm die Altstadtsatzung geradezu heilig. Zudem war er ein interessiertes Mitglied im Heimatbund, der das Wissen von Ehrenbürger Egon Lackner bewunderte. Gärtner war ein engagierter Sozialpolitiker, der für Schwächere und Hilfesuchende immer ein offenes Ohr hatte. Er selbst wuchs in der stadtbekannten Großfamilie Gärtner als ältester Sohn gemeinsam mit neun Geschwistern auf. Sein Vater Willy, der ebenfalls eine geachtete Persönlichkeit in Ladenburg war, lebte als Gründer der Reichbanner-Widerstandsgruppe Schwarz-Rot-Gold Ladenburg vor, wie man Demokratiefeinden entgegentritt. Stolz übergab Hermann Gärtner im Jahre 1998 an die Stadt die alte Reichsbanner-Fahne, die von der Familie vor den Nazis in einem Hühnerstall versteckt wurde. Die Unterlagen der Widerstandsgruppe, die im Besitz von Hermann Gärtner waren, übergab er dem Kreisarchiv mit der Hoffnung, dass sich die braune Zeit nie wiederholen darf. Das Erstarken von Rechtspopulisten und die Schwächung der SPD bezeichnete Gärtner jüngst auf dem Podium im Domhof als eine katastrophale Entwicklung. Seinen Lebensmut hatte er auch wegen einer Erkrankung mehr und mehr verloren, die ihn körperlich immer mehr einschränkte.
Wer mit Gärtner sprach, der sich wie kaum ein anderer in der Stadt- und Vereinspolitik auskannte, spürte schnell, was dieser Mann alles geleistet hat. Seine Zeit am Ratstisch war für ihn eine Bereicherung. Gesellschaftlich engagierte er sich vielfältig, aber besonders beim Liederkranz, wo er im Männerchor unter der Dirigentschaft von Sabine Dietenberger seine schönste Zeit hatte. Die Weiterentwicklung und die Vermietung des Kaiserkellers fielen in seinen Zuständigkeitsbereich. Aufgrund seiner herausragenden Verdienste wurde er zum Ehrenmitglied ernannt. Es gehört aber auch zum Wesen Gärtners, dass er die Ehrenmitgliedschaft zurückgab, weil er die jüngste Entwicklung im Verein nicht mittragen wollte. Er war eben konsequent. Engagiert kümmerte sich Gärtner um die Belange des AWO-Ortsvereins, wo sich auch seine Frau Ursula, die vor wenigen Jahren auch an einem 24. März verstarb, bei den Kaffee-Nachmittagen für Senioren engagierte.
Gärtner, der sein berufliches Leben in verschiedenen Leitungspositionen „beim Benz“ in Mannheim verbringen durfte, war ein geerdeter Mensch. Tief beeindruckt kehrte er als Mitglied einer Garango-Delegation aus der Partnerregion zurück. Die Probleme Ladenburgs seien ganz klein, im Vergleich zu den Schwierigkeiten in Garango, wo Frauen kilometerweit laufen mussten, um einen Eimer Trinkwasser zu schöpfen. Das Thema Wasser und Wasserverbrauch wurde danach eines seiner „Lieblingsthemen“ am Ratstisch.
Gärtner genoss es, in einer Großfamilie aufzuwachsen. Dies prägte ihn. Am Essenstisch zu sitzen mit neun Geschwistern - lernte man sich durchzusetzen. Er war immer ein Familienmensch und stolz auf seine beiden Söhne. Er freute sich, als sein Sohn Oliver für die SPD in den Weinheimer Gemeinderat einzog und als sein Sohn Markus die Zehntscheune zu einem Wohnkomplex umbaute, war Gärtner – der mit Lob sparsam umging – richtig begeistert. Viel Freude bereitete ihm auch die Entwicklung seiner beiden Enkel, denen er allerdings vergebens versuchte, die „Ladebejer Muddersproch“ beizubringen. Mit Hermann Gärtner verliert die Stadt einen „echten, aufrichtigen Ladeberjer“, dessen humorvolle Seite weniger bekannt war. Ladenburg wird ihn vermissen.
Info: Die Beerdigung findet am 2. April um 14 Uhr auf dem städtischen Friedhof Ladenburg statt.
Stu / Foto: Sturm
Autor:Axel Sturm aus Ladenburg |
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