Langeweile im Ruhestand kennt der ehemalige Bürgermeister nicht / Er ist in Ladenburg ein gern gesehener ehrenamtlich Engagierter
Was macht eigentlich Altbürgermeister Rainer Ziegler?

Endlich hat Rainer Ziegler Zeit um mit seiner Frau Helga ein gutes Tröpfchen zu genießen.
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  • Endlich hat Rainer Ziegler Zeit um mit seiner Frau Helga ein gutes Tröpfchen zu genießen.
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Gut drei Jahre ist der ehemalige Bürgermeister der Römerstadt Rainer Ziegler bereits im Ruhestand. Wenn er durch die Altstadtgassen zu einem Termin lief oder mit seinem Dienstfahrrad unterwegs war, hörte der bürgernahe Verwaltungschef immer wieder eine Frage. „Herr Ziegler, haben Sie einen Moment Zeit – ich hätte da mal ein Anliegen“. Und Rainer Ziegler nahm sich die Zeit um mit den Bürgerinnen und Bürgern zu sprechen. Er hatte immer ein offenes Ohr, denn sein Führungsmotto „miteinander“, lebte er bis zu seinem letzten Arbeitstag vor.

Wie geht es eigentlich dem in Dossenheim wohnenden „Alt-Bürgermeister“ heute? Die Ansprache „Alt-Bürgermeister“ mag Ziegler zwar nicht so gerne hören, denn die klingt für ihn ein bisschen nach „zum alten Eisen gehören“. Diese Einschätzung trifft auf Ziegler, der 16 Jahre Bürgermeister dieser Stadt war, aber sicherlich nicht zu.

„Mir war in den gut drei Jahren meines Ruhestandes noch keine Sekunde langweilig und ich habe seit dem Ende meiner Amtszeit als Bürgermeister auch nie das Loch gefunden, in das hineinzufallen mir so mancher gute Ratgeber prophezeite“, beantwortete Ziegler gleich die erste Frage der LAZ, die wissen wollte ob es ihm gelegentlich nicht langweilig sei. Nein, ganz sicher nicht – antwortete der Alt-Bürgermeister, der in seiner Amtszeit viele private Abstriche machen musste. „Ihr kennt mich alle – darüber habe ich nie gejammert“, ergänzt der zweifache Familienvater, der mit seiner Frau Helga in einem Reihenhaus in Dossenheim lebt.

Ein Grundsatz ist für ihn auch, sich niemals in die aktuelle Kommunalpolitik einzumischen – sich für „sein Ladenburg weiter auf ehrenamtlicher Basis zu engagieren“, das hat Ziegler niemals ausgeschlossen.
Es sei während seinen Amtszeiten doch einiges zu kurz gekommen, räumte Ziegler ein, der ganz bewusst zuerst die Familie nennt. Seine Frau Helga hat seine Bewerbung vor 19 Jahren unterstützt – aber ob sie wusste, was auf einen Bürgermeister alles zukommen kann, das ist eine andere Frage. Rainer Ziegler ist ein Familienmensch und daher war es für ihn manchmal sicher schmerzhaft, dass er sich nicht mehr Zeit für das Familienleben nehmen konnte. Der Kontakt zu seinen beiden Söhnen und den Enkeln kann er nun intensivieren. Gerne hätte sich Ziegler noch länger um seine Mutter gekümmert, die im letzten November im gesegneten Alter von 91 Jahren verstarb. Auch Unternehmungen mit Freunden kamen in seiner Bürgermeisterzeit zu kurz.

Wegen eines Knieschadens hat Ziegler seit einigen Jahren das Rennradfahren entdeckt, das er zusammen mit seinem Freund Horst Schmitt jetzt regelmäßig pflegen kann. Der kunstinteressierte Zeitgenosse, der als Bürgermeister ein Förderer der schönen Künste war, besucht auch als Privatmann Ausstellungen, Konzerte und Lesungen und im Urlaubsgepäck der nun zahlreicheren Reisen, hat der Literaturfreund immer ein paar gute Bücher dabei. Auch seinem Hobby, dem Kochen und neuerdings dem Backen, widmet der „Hausmann“ viel Zeit. Tradition im Hause Ziegler war es ja schon immer, dass das Familienoberhaupt das Weihnachtsmenü kreierte, das im Kreise der Familie an Heilig Abend gegessen wurde. „Mein Leben ist bunt und lebendig – es macht mir überwiegend Freude“, erzählt Ziegler ganz entspannt beim Besuch der LAZ in Dossenheim.

Traurig stimmen hingegen die fehlenden Oma/Opa-Tage, die wegen der Corona-Pandemie derzeit ausfallen müssen. Die beiden Enkelkinder in den Arm zu nehmen, das fehlt dem Gefühlsmenschen Rainer Ziegler schon sehr. Auch die Kontakte zu Freunden werden derzeit stark eingeschränkt und zwar ganz bewusst. „Meine Frau und ich wollen uns diszipliniert und solidarisch verhalten“, sagte Ziegler, der beim LAZ-Gespräch am anderen Ende des Esstischs saß. Skype und Zoom findet Ziegler übrigens klasse, so können wenigstens die Vorlesestunden für die Enkelkinder stattfinden.

Ausfallen mussten hingegen Reisen an den Bodensee und sonstige regelmäßige Wanderungen. Die viertägige Radtour ins Altmühltal mit Liane und Horst Schmitt ist noch nicht gestrichen. Außerdem hofft der Schwimmbadfan, dass er sich ab dem 1. Juli als Mitglied der Ladenburger Frühschwimmer im Wasser „auspowern“ kann.

Freude bereitet Ziegler auch das ehrenamtliche Engagement für Ladenburg. „Ich habe in meinen Amtszeiten den ehrenamtlichen Einsatz zahlreicher Bürgerinnen und Bürger immer bewundert. Das war enorm hilfreich für die Stadt – jetzt habe ich selbst Zeit und daher will ich mich ehrenamtlich engagieren“, erzählte das ehemalige Stadtoberhaupt. Kultur, die Bedürfnisse der Kinder und sein soziales Engagement sind Zieglers „Steckenpferde“.

Daher bringt er sich gerne bei den Literaturtagen und beim Filmfestival ein, hält Vorlesestunden im Anne-Frank-Kindergarten ab und er ist Vorstandsmitglied im Partnerschaftsverein Garango geworden. Die Besuche in der afrikanischen Partnerregion haben Ziegler noch mehr geerdet. Wenn fordernde Gesellschaftsgruppen ihre Interessen – manchmal mit viel Druck – durchsetzen wollten, hat Ziegler oft an seine Garango-Besuche gedacht. „Das relativierte viele vermeintlich dringende Probleme“, wurde Ziegler auf einmal ganz nachdenklich.

Nicht nur wegen der Corona-Auszeit hat Ziegler eine wohltuende Entschleunigung entfaltet. „Der Termindruck, den ein Bürgermeister meistens hat, ist im Ruhestand nun weg“, erzählt der Altbürgermeister. „Dass unser kleiner Garten von meiner Frau Helga so schön gestaltet ist, habe ich erst im Ruhestand so richtig wahrgenommen“, sagte Ziegler abschließend, der den LAZ-Besuch nun doch beenden musste. Die Vorlesestunde via Skype für die beiden Enkel musste nämlich noch vorbereitet werden.

Autor:

Axel Sturm aus Ladenburg

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