Chancen erkennen und nicht verzagen

Bürgermeister Schmutz fand beim Neujahrsempfang die richtigen Worte.
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  • Bürgermeister Schmutz fand beim Neujahrsempfang die richtigen Worte.
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Beim Stadtempfang am Antonius-Tag hielt Bürgermeister Stefan Schmutz eine Mut machende Rede / Eine Stadt ist nur so stark wie ihre Gemeinschaft / Eine rundum gelungene Veranstaltung

Im Mittelalter wurde erwartet, dass die Neubürger beim Bürgertreffen am Antonius-Tag, bei dem unter anderem die neuen Stadtverordnungen verlesen wurden, einen Feuerlöscheimer mitbringen, um im Falle eines Feuers die Stadtgemeinschaft zu unterstützen. Schon damals war der Zusammenhalt der Stadtgemeinschaft existenziell.

Beim Antonius-Tag 2026 in der vollbesetzten Aula des Carl-Benz-Gymnasiums waren zwar nur wenige Neubürger anwesend und auch auf die Verkündung neuer „Stadtgesetze“ wie beispielsweise auf die Erhöhung der Grundsteuer wurde verzichtet – aber Bürgermeister Stefan Schutz appellierte in seiner Neujahrsrede umso mehr an den Zusammenhalt der Stadtgesellschaft. Den eingangs von Prof. Andreas Kruse gehörten Impulsvortrag „Sei, was du bist – gib, was du hast“ griff das Stadtoberhaupt gleich auf, um zur Mitarbeit an den wichtigen Themen, die Ladenburg bewegen werden, aufzufordern. „Engagement ist keine Frage des Alters, sondern eine Frage der Haltung“, meinte Schmutz treffend, der natürlich – dem Anlass angemessen – seine schwere Amtskette anlegte. Der demografische Wandel sei eine der großen Herausforderungen unserer Zeit. Der Wandel bietet aber die Chance – schon jetzt ist in Ladenburg jeder vierte Bürger über 65 Jahre alt – die Anforderungen mit Mut und Zuversicht anzupacken. Fakt sei, dass Ladenburg an dem Leitbild einer inklusiven und solidarischen Stadtgesellschaft festhalten wird.

Es bräuchte Mut und Beharrlichkeit, um die Aufgabenfülle anzunehmen, meinte der Bürgermeister. Es braucht aber auch Zuversicht, weil eine positive Vorstellung von Zukunft hilfreich ist, um das Bekannte, aber auch das Unbekannte erfolgreich anzugehen. Der vor einem Jahr erneut gewählte Bürgermeister griff danach neun Themenschwerpunkte auf, die für die Zukunft Ladenburgs von Bedeutung sind.

Bildung und Betreuung als Fundament
Was in den vergangenen Jahren erreicht wurde, stimmte den Bürgermeister zufrieden. Es ist in den letzten Jahren nämlich gelungen, die Zahl der Krippenplätze zu verdreifachen und die Kindergartenplätze um 30 % aufzustocken. 17 Mio. Euro habe Ladenburg in den Ausbau der Betreuungsinfrastruktur investiert. Doch neue, kostenintensive Herausforderungen stehen an. Ab September besteht in Baden-Württemberg ein Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung an den Grundschulen, was auch an der Dalberg-Grundschule und an der Astrid-Lindgren-Schule umzusetzen ist. Es werde ein Modell entwickelt, das Ganztagsschule und die flexible Nachmittagsbetreuung sinnvoll verbindet. „Investitionen in die Zukunft unserer Kinder bringt für eine Gesellschaft die größte Rendite“, meinte der zweifache Vater. Auch deshalb sei es in 2026 angebracht, jeden dritten Euro in den Bildungs- und Betreuungsbereich zu investieren.

Kommunale Finanzen
Die finanziellen Spielräume werden auch in Ladenburg kleiner und weitere Verschlechterungen zeichnen sich ab. Bund und Land seien zwar bemüht für eine auskömmliche Finanzierung der Kommunen, aber diese reiche bei weitem nicht aus. Sieben Mio. Euro – allerdings auf zwölf Jahre verteilt – kann Ladenburg aus dem Sondervermögen des Bundes einplanen, was pro Einwohner 45 Euro entspricht. „Die Unterstützung hilft – löst aber keine Probleme“, kritisierte Schmutz, der einforderte, Selbstverständlichkeiten wie den Grundsatz „Wer bestellt – bezahlt“ endlich einzulösen.

Klimaschutz und Energiewende vor Ort
Für Schmutz ist die Energiewende, die im politischen Blickfeld schon auf größere Akzeptanz stieß, kein Schreckgespenst, sondern ein erfolgreiches Gemeinschaftsprojekt. Ladenburg hält am Ziel, bis 2040 klimaneutral zu sein, natürlich fest. 2026 wird das erste Jahr sein, in dem Ladenburg den Strombedarf aller privaten Haushalte durch erneuerbare Energien selbst decken kann. Das wussten viele Gäste nicht, denn ein Raunen ging durch die Aula. 14 Gigawattstunden Strom werden durch eine Vielzahl von Anlagen innerhalb der Stadtgrenzen selbst erzeugt, wofür Schmutz den beteiligten Akteuren dankte.

Wärmeplanung steht auf der Agenda
Wichtig wird sein, allen Ladenburger Hauhalten eine bezahlbare Alternative zu Öl und Gas aufzuzeigen. Dies erfordere Mut, denn am fossilen Zeitalter festzuhalten, ist für Schmutz keine Alternative. Der Aufbau eines eigenen Nahwärmenetzes ist für ihn eine solidarische Lösung, die in 2026 intensiv mit den Immobilieneigentümern diskutiert werden soll. Klar sei, diese Jahrhundertentscheidung könne nur gemeinsam getroffen werden.

Stadtentwicklung schreitet voran
Ladenburg ist in den vergangenen Jahren durch vier Neubaugebiete gewachsen. Derzeit wohnen 12.740 Bürger in der Stadt – wegen der schwachen Baukonjunktur ist der Zuzug zwar etwas langsamer als vorhergesagt – aber auch „das hat seine Vorteile“, meinte Schmutz. Wachstum stelle nämlich viele Fragen an die Verwaltung, Vereine, Gewerbetreibende, Gastronomen oder an die Ärzteversorgung, die es zu beantworten gilt. Antworten sollen an einem „Tag der Demografie“ gefunden werden, an dem sich alle Altersgruppen beteiligen und einbringen sollten, wünschte sich Schmutz.

Freibad wird ein Leuchtturm-Projekt
Die Entscheidung für die Sanierung des Freibades war wohl die mutigste Entscheidung im letzten Jahr. Die umfangreichen Diskussionen hätten sich gelohnt, denn im Mai 2028 wird in Ladenburg ein neues Kapitel der Freibadgeschichte aufgeschlagen. Klimaneutral, energieeffizient und optisch attraktiv wird sich das Freibad dann zeigen. „Unser Freibad ist dann ein Leuchtturm-Projekt mit bundesweiter Strahlkraft“, sagte Schmutz euphorisch. Er freute sich über die Unterstützungsaktion des Freibad-Fördervereins FFL, der 100.000 Euro für die Renovierung der sanitären Bereiche sammeln will. Am Ausgang warb der FFL um Unterstützung der Zielumsetzung. Bisher gingen Spenden in Höhe von 17.000 Euro für die Erneuerung der Duschen und sanitären Anlagen ein.

Mitmachen statt meckern
Die Bereiche „Gemeinschaft und Ehrenamt“, „Zukunftsperspektiven“ und „Demokratie und Zuversicht“ bildeten den Schlussakkord der Mut machenden Bürgermeisterrede. Es sei die eigene Stadtgeschichte, die aufzeigen würde, was Menschen gemeinsam erreichen können, wenn sie auf ihre eigenen Fähigkeiten vertrauen. „Eine Stadt ist nur so stark wie ihre Gemeinschaft. Ladenburg ist stark durch seine Vielfalt und das soll auch so in Zukunft bleiben“, meinte der Bürgermeister. Der glaubt, dass die Zukunftsängste kleiner werden, wenn man selbst mitgestalten kann. „Legt das Smartphone aus der Hand – beteiligen Sie sich an der Entwicklung unserer Stadt statt zu meckern“, brachte es Schmutz abschließend auf den Punkt. Natürlich sei ein kritisches Hinterfragen berechtigt, denn unsere Demokratie lebe vom Widerspruch. „Genau das unterscheidet uns von der Autokratie“, so Schmutz, der erfreulicherweise die Demokratiefeinde und Autokraten, die unsere Welt zu zerreißen drohen, mit keinem Wort beim Neujahrsempfang erwähnte. Zukunft entstehe vielmehr aus Mut und Zuversicht und die konnte Bürgermeister Schmutz mit seiner Rede allemal wecken.

Bürgermeister Schmutz fand beim Neujahrsempfang die richtigen Worte.
Mitmachen statt passiv zusehen – dies könnte ein gutes Motto für 2026 sein.
Die Gäste spendeten für die Bürgermeister-Rede Applaus.
Autor:

Axel Sturm aus Ladenburg

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